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Frequenzumrichter: Funktion, Aufbau und Einsatz

Von Industrial Automation Pro · Veröffentlicht 2026-07-31 · 9 Min. Lesezeit

Ein Frequenzumrichter regelt die Drehzahl eines Drehstrommotors, indem er Frequenz und Spannung der Motorversorgung verändert. Statt den Motor dauerhaft mit voller Drehzahl laufen zu lassen, arbeitet die Maschine damit genau in dem Betriebspunkt, den der Prozess tatsächlich verlangt.

Diese eine Fähigkeit macht den Frequenzumrichter zu einer der wirtschaftlichsten Komponenten überhaupt: Er senkt den Energieverbrauch deutlich, schont die Mechanik und erlaubt eine präzise Prozessführung.

Weitere Bezeichnungen: Umrichter, Antriebsregler, Drehzahlregler, im Englischen VFD (variable frequency drive) oder Inverter. Gemeint ist stets dasselbe Gerät.

Warum feste Drehzahlen Geld kosten

Ein direkt am Netz betriebener Asynchronmotor läuft praktisch immer mit derselben Drehzahl – vorgegeben durch die Netzfrequenz von 50 Hz und die Polpaarzahl. Benötigt der Prozess weniger Leistung, wurde früher mechanisch gedrosselt: ein Ventil angezogen, eine Klappe geschlossen. Der Motor zieht dabei weiterhin nahezu volle Leistung; die Überschüssige verpufft als Druckverlust und Wärme.

Bei Kreiselpumpen und Lüftern ist der Effekt besonders groß. Nach den Affinitätsgesetzen wächst die aufgenommene Leistung annähernd mit der dritten Potenz der Drehzahl:

In der Praxis werden diese theoretischen Werte wegen Umrichterverlusten, statischer Förderhöhe und Wirkungsgraden nicht ganz erreicht. Die Richtung stimmt jedoch: Bereits eine moderate Drehzahlabsenkung spart erheblich Energie.

Aufbau: drei Stufen

1. Gleichrichter

Die Netzspannung wird über eine Diodenbrücke gleichgerichtet. Damit ist die ursprüngliche Netzfrequenz gewissermaßen „vergessen“.

2. Zwischenkreis

Kondensatoren – häufig ergänzt durch Drosseln – glätten die Gleichspannung. Der Zwischenkreis ist der Energiespeicher des Geräts.

3. Wechselrichter

Leistungshalbleiter (IGBT) schalten die Zwischenkreisspannung tausendfach pro Sekunde. Mittels Pulsweitenmodulation entsteht daraus eine Ausgangsspannung mit frei wählbarer Frequenz. Gibt die Steuerung 37 Hz vor, sieht der Motor 37 Hz – und dreht entsprechend langsamer.

Die Regelung hält dabei das Verhältnis von Spannung zu Frequenz (U/f) so, dass das Drehmoment über den Drehzahlbereich erhalten bleibt.

Nutzen über die Energieersparnis hinaus

Typische Einsatzgebiete

AnwendungNutzen
PumpenGroße Energieeinsparung, Druckregelung, kein Druckschlag beim Anfahren
Lüfter und KlimatechnikLuftmenge nach Bedarf statt Drosselklappen
FörderbänderSynchronisierte Geschwindigkeiten, schonender Produkttransport
KompressorenAnpassung der Fördermenge an den tatsächlichen Bedarf
Rührwerke und MühlenKontrolliertes Anfahren unter Last, rezeptabhängige Drehzahlen
Krane und HebezeugeFeinfühlige Bewegung mit geregeltem Bremsen

Frequenzumrichter oder Sanftanlaufgerät?

Ein Sanftanlaufgerät löst ausschließlich das Anlaufproblem: Es fährt den Motor sanft hoch und schaltet ihn danach ans Netz – eine Drehzahlregelung im Betrieb gibt es nicht. Der Frequenzumrichter kann beides. Benötigt eine Anlage dauerhaft volle Drehzahl, genügt oft der Sanftanlauf. Schwankt der Bedarf – und das tun Pumpen und Lüfter fast immer – amortisiert sich der Umrichter meist allein über die Energiekosten.

Worauf bei der Auswahl zu achten ist

Wichtig: Der Zwischenkreis bleibt nach dem Abschalten noch einige Minuten geladen. Entladezeit laut Herstellerangabe abwarten, bevor Klemmen berührt werden.

Häufige Fragen

Was macht ein Frequenzumrichter?

Er regelt die Drehzahl eines Drehstrommotors, indem er Frequenz und Spannung der Motorversorgung verändert. Damit läuft der Motor genau so schnell, wie es der Prozess erfordert, statt dauerhaft mit voller Drehzahl.

Wie viel Energie spart ein Frequenzumrichter?

Bei Kreiselpumpen und Lüftern sehr viel: Die Leistungsaufnahme sinkt annähernd mit der dritten Potenz der Drehzahl. 80 % Drehzahl bedeuten rechnerisch rund 51 % Leistung. Bei konstantem Drehmoment, etwa an Förderbändern, fällt die Einsparung geringer aus.

Wie ist ein Frequenzumrichter aufgebaut?

Aus drei Stufen: Gleichrichter (Netz zu Gleichspannung), Zwischenkreis mit Kondensatoren zur Glättung und Wechselrichter mit IGBT, der daraus per Pulsweitenmodulation eine Spannung mit frei wählbarer Frequenz erzeugt.

Was ist der Unterschied zwischen Frequenzumrichter und Sanftanlaufgerät?

Das Sanftanlaufgerät fährt den Motor nur sanft hoch und schaltet ihn dann ans Netz. Der Frequenzumrichter regelt die Drehzahl während des gesamten Betriebs und spart dadurch zusätzlich Energie.

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