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Schrittmotor: Funktionsweise, Betriebsarten und Grenzen

Von Industrial Automation Pro · Veröffentlicht 2026-07-31 · 7 Min. Lesezeit

Ein Schrittmotor dreht sich nicht gleichmäßig, sondern in festen Winkelschritten. Jeder elektrische Impuls bewegt den Rotor um genau einen Schritt weiter – bei einem verbreiteten Motor mit 1,8° Schrittwinkel sind das 200 Schritte pro Umdrehung.

Daraus ergibt sich die große Stärke dieses Antriebs: Positionieren ohne Geber und ohne Regelkreis. Man zählt schlicht die Impulse – das macht die Ansteuerung einfach und günstig.

Funktionsprinzip

Im Stator liegen mehrere Wicklungsstränge. Werden sie in fester Reihenfolge bestromt, entsteht ein magnetisches Feld, dem der Rotor jeweils bis zur nächsten stabilen Lage folgt. Die Ansteuerung bestimmt dabei sowohl Drehrichtung als auch Drehzahl.

Wichtig ist die Kehrseite: Der Antrieb arbeitet gesteuert, nicht geregelt. Die Elektronik geht davon aus, dass der Rotor jedem Impuls folgt – überprüft wird es nicht.

Betriebsarten

BetriebsartPrinzipEigenschaft
VollschrittEin bzw. zwei Stränge voll bestromtMaximales Moment, rauer Lauf
HalbschrittZwischenpositionen durch abwechselnde BestromungDoppelte Auflösung, ruhigerer Lauf
MikroschrittStufenweise Stromaufteilung zwischen den SträngenSehr feine Auflösung und leiser Lauf, geringeres Haltemoment je Schritt

Mikroschrittbetrieb erhöht die Laufruhe deutlich, verbessert aber nicht zwangsläufig die tatsächliche Positioniergenauigkeit – diese wird maßgeblich von der Mechanik und vom Motor selbst begrenzt.

Schrittverluste – die zentrale Schwachstelle

Überschreitet das Lastmoment das verfügbare Moment, kann der Rotor dem Feld nicht mehr folgen: Er verliert Schritte. Die Steuerung bemerkt davon nichts und rechnet mit einer Position, die der Antrieb nie erreicht hat. Bei einer Portalachse heißt das im schlimmsten Fall Ausschuss oder Kollision.

Wann Schrittmotor, wann Servomotor?

Schrittmotor, wenn die Last gut bekannt und begrenzt ist, die Drehzahlen moderat bleiben und die Kosten zählen – etwa bei kleinen Positionierachsen, Dosiereinheiten oder Laborgeräten.

Servomotor, sobald Dynamik gefordert ist, die Last schwankt oder ein Positionsverlust nicht hinnehmbar wäre. Der Vergleich im Detail steht im Beitrag zum Servomotor.

Praxistipp: Wird ein Schrittmotor im Betrieb heiß, ist das nicht zwangsläufig ein Fehler – er wird auch im Stillstand bestromt, um sein Haltemoment aufzubringen. Herstellerangaben zur zulässigen Gehäusetemperatur beachten.

Häufige Fragen

Wie funktioniert ein Schrittmotor?

Die Statorwicklungen werden in fester Reihenfolge bestromt. Der Rotor folgt dem entstehenden Magnetfeld jeweils um einen festen Winkelschritt – bei 1,8 Grad Schrittwinkel also 200 Schritte pro Umdrehung. Gezählt werden dabei nur die Impulse.

Was bedeutet Mikroschritt?

Der Strom wird stufenweise zwischen den Wicklungssträngen aufgeteilt, sodass Zwischenpositionen entstehen. Das ergibt einen deutlich ruhigeren und leiseren Lauf, erhöht aber nicht automatisch die tatsächliche Genauigkeit.

Warum verliert ein Schrittmotor Schritte?

Weil er üblicherweise ohne Rückmeldung arbeitet. Übersteigt das Lastmoment das verfügbare Moment, kann der Rotor dem Feld nicht folgen. Die Steuerung bemerkt das nicht und rechnet mit einer falschen Position.

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